Willkommen Ramadan

selma-ozturk.jpgWieder einmal haben wir Muslime acht Monate in der Berechnung des islamischen Mondkalenders hinter uns gelassen, wieder einmal steht der segensreiche Monat vor der Tür…

Der neunte Monat, der berühmte Fastenmonat Ramadan, in dem die heilige Schrift offenbart wurde und dessen Bestandteil die Laylat-ul Qadr ist. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass mit dieser Herabsendung nicht die Offenbarung an Allah’s Gesandten gemeint ist Der Qur’an wurde dem Gesandten nicht am Laylat-ul Qadr als komplettes Buch offenbart, sondern binnen 23 Jahre stückweise je nach bestimmten Umständen und Ereignissen durch den Erzengel Gabriel als Bote überliefert. Die Herabsendung der heiligen Schrift am Laylat-ul Qadr meint hingegen die Herabsendung des kompletten Buches als Schrift (Lavh-u Mahfus genannt). Dieser Unterschied ist wichtig und sollte bekannt sein.

Für die Muslime in Deutschland und in Europa ist es in der Vergangenheit schon eher schwer gewesen, die Fastenzeit in der hiesigen Gesellschaft lebhaft zu gestalten. In den kurzen Wintermonaten der letzten Jahre, in denen der Sonnenuntergang teils schon um fünf Uhr abends erfolgte, arbeiteten die Berufstätigen währenddessen, saßen die Schüler in der Schule und die Studenten in den Vorlesungen. Dadurch bekamen viele Familien nicht die Möglichkeit, das Fasten gemeinsam am Speisetisch zu brechen. Das gemeinschaftliche Abendessen trägt hindessen (zwar auch generell, in der Fanstenzeit aber ganz besonders) eine große und traditionelle Bedeutung für gläu-bige Muslime. Dieser wichtige Akt wurde somit zwangsläufig stets vernachlässigt und konnte durch die äußeren Einflüsse kaum zur Geltung gelangen.

Folglich ist das Erleben des Ramadan in Europa längst nicht vergleichbar mit dem Ramadan in islamisch gepräg-ten Ländern. Man verspürt nicht in vergleichbarem Maße die lebendige Atmosphäre, man vermisst den Gebetsruf auf den alle ungeduldig am gedeckten Esstisch warten und den “Count-Down” zum Essstart zählen. Man befinder sich letztendlich in einer Gesellschaft, in der auf das Fasten wenig Rücksicht genommen wird.

Eine vergleichbare „Ramadankultur“ wie aufgeführt, ist uns Muslimen in Europa leider fremd. Demzufolge begegnen wir auch immer wieder Menschen, insbesondere jungen Muslimen, die nur halbherzig und aus reinem und bloßem Pflichtbewusstsein den Ramadan antreten, ohne den Kern im tieferen Sinn erfasst zu haben.

Da eine Vielzahl von Muslimen den Ramadan nur in Europa erlebt haben und nie in einem islamisch geprägten Land wie zun Beispiel der Türkei, kennen sie nichts anderes. Ein beispielhafter Ort für den “lebendigen” Ramadan ist Istanbul. Jedes Jahr werden in dem Hof in der Blauen Moschee (Sultanahmet) Bücherstände aufgestellt. Familien und Freunde kommen extra kurz vor dem Sonnenuntergang zu den Moscheen und brechen ihr Fasten auf den Plätzen im Freien oder in den speziell für das Fastenbrechen vorgesehenen Zelten. Nach dem Essen und dem Abendgebet fängt das “Ramadanleben” erst richtig an. Überall gibt es Abendprogramme und Konzerte. Die Nächte sind lang, teilweise bis zum Morgengebet.

Die in Europa herschenden Umstände sollten uns aber nicht davón abhalten, den Ramadan möglichst sinnvoll – sowohl individuell, als auch kollektiv - für uns zu nutzen, davon zu profitieren und ih ndementsprechend lebendig zu gestalten.

Für diejenigen, die die Zeit haben –wenn nicht, sollten wir sie uns nehmen- ist es empfehlenswert, den Qur’an im Ramadan komplett einmal durchzulesen. Es fallen täglich lediglich 20 Seiten (ein Dschuz), die man auf den gesamten Tag unproblematisch verteilen kann (Zum Beispiel jeweils vier Seiten nach jedem Pflichtgebet).

Des Weiteren ist es auch ratsam, im Ramadan an die Nachbarschaft zu denken, indem man ihr von den täglich zubereiteten Mahlzeiten eine kleine Portion samt Barakah (Segen) zukommen lässt. Wenn möglich, sollten viele Gäste zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen werden, ohne dabei in unnötige Kochaufwände zu verfallen. Das übertriebene Kochen sollte vermieden werden – immer wieder sehen wir überfüllte Tische mit diversen Gerichten.

Auch wenn die Augen größer sind als der Magen, dürfen wir als gläubige Muslime nicht in ein Esswahn verfallen und müssen uns auch zum Fastenbrechen beherrschen und kontrollieren. Zuviel Aufwand ist eigentlich unnötig und im Ergebnis sogar als Israf (Verschwendung) einzustufen. Das Einladen von Gäst-en und das gemeinsame Speisen sind Handlungen, die nicht nur das Zusammengehörigkeintsgefühl stärken, sondern auch gegenseitige Kraft, Unterstürtzung und insbesondere Motivation und Freude am Fasten mitsich bringen.

Diese Vorgehensweisen verstärken letztendlich nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern bringen gegenseitige Kraft, Unterstützung und insbesondere Motivation und Freude am Fasten mit sich.

Auch wenn in diesen Jahren die Tage immer länger werden und das Fasten folglich mühsamer und anstrengender wird, sollte dieser Zustand uns – insbesondere aber unsere Jugendlichen- nicht davon abhalten, sich dem Fasten zu entfremden.

Weiterhin ist es wichtig, unsere jungen Nachkömmlinge, unsere “hoffnungvollen Blüten” über das Fasten sowohl inhaltlich, als auch mit der -insbesondere deutschen- Terminologie aufzuklären und sie mit dem Fasten vertraut zu machen. Sie sollten in der Schule nicht mehr hilfesuchend das türkische Wort “Oruç” verwenden, nur weil sie den Begriff des Fastens auf deutsch nicht kennen.

Deshalb sollten die Moscheegemeinden und andere Verantwortungsträger versuchen, den Ramadan in ihren Gemeinden und an anderen Orten lebendiger und jugendgerechter zu gestalten, um der Verlockung der Entfremdung dieses wichtigen religiösen Gebotes keinen Raum zu bieten.

Mit einem festen Iman und einer gottesliebenden Neigung wird einem die „Enthaltsamkeit“ in der Fastenzeit gewiss nicht schwer fallen. Letztendlich ist auch diese Ausdauerfähigkeit eine Einstellungssache. Der Gedanke, das physische Fasten mit dem geistigen Sinn einzig und allein für Allah zu tun, sollte als Grund schon ausreichen.

Dass das Fasten ein göttliches Gebot darstellt, ist dem Qur’an unmittelbar zu entnehmen und wird durch den Vers 183 ff. des zweiten Kapitels zum Ausdruck gebracht. Hierzu heißt es im Qur’an: „ Oh diejenigen, die glaubt! Euch ist das Fasten (Siyam) vorgeschrieben, wie es auch schon denjenigen vor euch vorgeschrieben war, dass ihr vielleicht gottesfürchtig seid.“

Aus diesem Vers lassen sich zwei Kernaussagen herleiten. Zum einen wird deutlich, dass das Fasten nicht nur ein islamisches Gebot, sondern auch Bestandteil der anderen monotheistischen Religionen ist, also bereits schon vor dem Islam existiert hat. So z.B. die zehn Fastentage zwischen dem jüdischen Neujahr (Rosch ha Schana) und Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, der als wichtigstes Fest im Judentum gefeiert wird. Gemeint ist hier also nicht das vorgeschriebene Fasten in der identischen Zahl der Tage oder der Art und Weise des Fastens. Vielmehr geht es hierbei um das Prinzip der Selbstdisziplin, dass durch das Fasten gewährleistet wird.

Zum anderen sticht hier der letzte Halbsatz ins Auge, in dem die Gottesfurcht erwähnt wird. Das Fasten war schon immer ein Zeichen menschlichen Gehorsams seinem Schöpfer gegenüber. Das religiöse Gebot wird in diesem Kontext mit Gottesfurcht in Verbindung gebracht. Ein religiös überzeugter Muslim verfolgt das Gebot des Fastens demnach nur deshalb, weil es ihm von Gott auferlegt wurde und weil er seinen Schöpfer fürchtet.

Ausser dieser Hauptfunktion wird das islamische Fasten im Qur’an auch in einem anderen Zusammenhang erwähnt. Es hat nämlich gleichzeitig auch eine reinigende, Vegebung bewirkende Funktion und einen Sanktionscharakter.

Des Weiteren fällt im Qur’an im Zusammenhang mit dem Fasten die Empfehlung Allahs gegenüber Maryam (Maria), der Mutter Isas (Jesu) auf. Im 19.Kapitel spricht Allah zu Maria, dass sie denjenigen, die ihr Vorwürfe wegen des Kindes auf ihrem Arm machen werden, lediglich die Antwort erteilen soll, dass sie Gott ein Fasten gelobt hat und deshalb zu keinem Menschen sprechen wird (Vers 26 ff.). Mit dem Begriff des Fastens ist an dieser Stelle nicht die gewöhnliche und bekannte Enthaltsamkeit von Essen und Trinken gemeint, sondern die Enthaltsamkeit von den Mitmenschen und von deren Umgang.

Da das Fasten den gläubigen Menschen seinem Schöpfer näher bringt, haben wir alle einen Grund zur Freude… Ahlan wa Sahlan ja Schahru Ramadan!

Dünyanın Çivisi Çıktı! Dünyanın Çivisi Çıktı!

Sevgili dostlar! Dünyada artık pekçok şeyi anlamakta oldukça zorlanır olduk. Dünyada mazlumun dini de, dili de, ırkı da sorulmaz ilkesi genel geçer bir kaidedir. Artık mazluma yardım eden suçlu ama zulüm uygulayan zalim ise haklı... [Devam oku...]